Digitale Souveränität im Unternehmen: Unser erster Schritt

Digitale Souveränität im Unternehmen? Wenn ja, dann jetzt!

Als Unternehmen mit digitalem Fokus haben wir uns schon immer intensiv mit Software, IT und Datenschutz beschäftigt. Nicht nur, weil wir selbst digitale Produkte entwickeln und betreiben, sondern auch, weil wir unsere Kund:innen langfristig sicher und unabhängig aufstellen wollen. Dabei ging es für uns von Anfang an nicht nur um technische Fragen, sondern auch um Verantwortung:

  • Wem vertrauen wir unsere Daten an?
  • Welche Abhängigkeiten gehen wir ein?
  • Und wie zukunftsfähig sind diese Entscheidungen wirklich?

In den letzten Monaten haben wir gemerkt, dass diese Fragen immer wichtiger werden. Denn nicht nur die technische Sicht sollte betrachtet werden, sondern auch die politische und wirtschaftliche Lage.

Neue Risiken durch eine veränderte weltpolitische Lage

Spätestens mit den aktuellen globalen Entwicklungen haben wir begonnen, unsere eigene Softwarelandschaft noch einmal kritisch zu hinterfragen. Handelskonflikte, Sanktionen, mögliche Zölle auf US‑Software oder regulatorische Eingriffe können direkte Auswirkungen auf Unternehmen in Europa und der EU haben.

Was passiert, wenn zentrale Tools plötzlich deutlich teurer werden, nicht mehr verfügbar sind oder rechtlich problematisch werden? Was, wenn kritische Geschäftsprozesse von Anbietern abhängen, auf die man selbst keinen Einfluss hat?

Aus dieser Risikoabschätzung heraus wurde uns klar: Es reicht nicht mehr aus, Software nur nach Funktionsumfang und Preis auszuwählen. Abhängigkeiten müssen sichtbar gemacht und aktiv gemanagt werden.

Was bedeutet digitale Souveränität?

Digitale Souveränität beschreibt die Fähigkeit von Unternehmen (und auch Staaten), digitale Technologien selbstbestimmt, sicher und unabhängig einzusetzen. Dabei geht es nicht darum, alles selbst zu entwickeln oder grundsätzlich auf internationale Anbieter zu verzichten.

Vielmehr bedeutet digitale Souveränität:

  • Transparenz über eingesetzte Software und Abhängigkeiten
  • Kontrolle über Daten, Speicherorte und Zugriffsrechte
  • Die bewusste Auswahl von Anbietern, die europäischen Werten, Gesetzen und Standards entsprechen

Wichtig hierbei zu beachten ist, dass die digitale Souveränität kein Zustand ist, den man einmal erreicht und dann abhakt. Es sollte eher als ein fortlaufender Prozess betrachtet werden, welcher immer wieder Aktualisierung bedarf.

Europäische Alternativen sichtbar machen

Auch in unserem eigenen Unternehmen ist digitale Souveränität kein theoretisches Konzept, sondern ein konkreter Handlungsrahmen. Bestärkt wurden wir dabei unter anderem durch aktuelle Entwicklungen auf europäischer Ebene. So hat sich beispielsweise Frankreich dazu entschieden, Microsoft Teams und Zoom im öffentlichen Sektor schrittweise durch eine eigene, souveräne Videokonferenzlösung zu ersetzen. Ziel ist es, Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern zu reduzieren und sensible Kommunikation unter europäischer Kontrolle zu halten.

Diese Entscheidung macht deutlich, dass digitale Souveränität nicht nur für Staaten, sondern ebenso für Unternehmen längst ein strategisches Thema ist.

Auch wir überprüfen daher regelmäßig unsere eingesetzte Software, hinterfragen bestehende Abhängigkeiten und bewerten gezielt Alternativen. Eine mögliche europäische bzw. offene Alternative für Teams oder Zoom wäre zum Beispiel Jitsi Meet.

Solche Alternativen gibt es in vielen Bereichen. Man muss sie nur kennen, realistisch bewerten und sinnvoll in bestehende Prozesse integrieren, um digitale Souveränität Schritt für Schritt im Unternehmensalltag zu verankern.

Unsere nächsten Schritte in Richtung digitaler Souveränität

Der erste Schritt bestand für uns, darin sich im eigenen Unternehmen systematisch Transparenz zu schaffen:

  • Welche Software setzen wir ein?
  • Woher stammen die Tools?
  • Welche davon sind geschäftskritisch?

Auf dieser Basis können wir nun Prioritäten definieren, Risiken bewerten und uns gezielt über mögliche Alternativen informieren. Schritt für Schritt haben wir so begonnen, Abhängigkeiten zu reduzieren und bewusste Entscheidungen für unsere Softwarelandschaft zu treffen.

Unser Ziel ist es, nicht nur unser eigenes, sondern auch andere Unternehmen in diesem Bereich handlungsfähig zu machen. Aus diesen Überlegungen heraus haben wir unseren Software‑Abhängigkeits‑Check entwickelt.

Hiermit möchten wir insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen dabei unterstützten, ihre eingesetzte Software systematisch zu bewerten, Risiken einzuschätzen und Folgeschritte abzuleiten.